Seit neun Jahren geplant, einst für den Juli 2025 angekündigt und mit 11 Millionen Euro Baukosten kalkuliert wurde am Montag, den 7. September 2026 die neue Geh- und Radwegbrücke zwischen Zweibrückenstraße und Elbpark Entenwerder um 9 Uhr durch Verkehrssenator Anjes Tjarks und weitere mittlere Politprominenz eröffnet. Ein Großteil der 16 Millionen Euro Baukosten – wieviel genau mag die Billebogen Entwicklungsgesellschaft (kurz: BBEG) noch nicht preisgeben – stammt aus Mitteln des Bundes zur Radverkehrsförderung. Von daher der schöne breite Radstreifen auf der „Wurstbrücke“, wie das Bauwerk ob seiner gebogenen Form inzwischen von vielen Rothenburgsorter:innen genannt wird.
Nachdem die offizielle Eröffnung am Montagmorgen ohne Ankündigung und also ohne interessierte Rothenburgsorter:innen stattfand, nutzten viele das „Nachbarschaftsfest“ der BBEG am Sonnabend, den 12. September, um sich mit der neuen HafenCity-Verbindung vertraut zu machen. Mit freiem Kaffee sowie einigen Essens- und Infoständen wurde die neue Brücke zum Schauplatz von allerlei Begegnungen, Gesprächen und Fachsimpeleien. Auch aus dem Team der Rad- und Holzwerkstatt waren einige Menschen dabei und nutzen die Gelegenheit, die neue Fahrradattraktion zwischen den Quartieren zu besprechen.
Neben einigen beinahe-Kollisionen aufgrund von Rad- und Rollerfahrenden, die nicht mit so großen Menschenmengen auf der Brücke gerechnet hatten, kam es auch zu interessanten Fragen. Beispielsweise ist die Anbindung auf der Entenwerder-Seite ein harter Übergang von Asphalt auf der Brücke zu wassergebundener Wegedecke (Sand-Splitt-Gemisch) im Park. Dies schien vor allem bei Rennradfahrer*innen für Erstaunen zu sorgen. Für Befürchtungen bei Fußgänger:innen sorgt der zusätzlich in den Park geleitete Radverkehr. Der ist hier zwar zugelassen (wie in fast allen Hamburger Grünanlagen), viele empfinden Radfahrende im Park aber grundsätzlich als Belästigung oder Bedrohung. Da werden die brav-Rücksichtsvollen mit den wenigen, schlechten Scheuklappen-Radler:innen gern in einen Topf geworfen. In jedem Fall ist es der Stadt vorzuwerfen, dass sie 16 Mio. Euro für die Wurstbrücke ausgibt, aber keinen Gedanken oder Euro in die Anbindung durch den Park investiert – jahrelangen Hinweisen aus dem Stadtteilrat zum Trotz. Dass der Bezirk jetzt eine Sanierung der Spange zwischen Wurstbrücke und Alexandrastieg-Brücke plant, darf in diesem Zusammenhang als Fehlinvestition bezeichnet werden: Zu wenig, zu spät und an der falschen Stelle.
Darüber hinaus wünschen sich viele eine Anbindung an die HafenCity, bei der Radfahrer*innen nicht auf der Zweibrückenstraße in den dort brodelnden PKW- und LKW-Verkehr gemischt werden und sich im Trog unter der Brücke an der S-Bahnstation die Steigungen hochkämpfen müssen.

Abseits so kritischer Fragen sorgte die Veranstaltung bei fantastischem Wetter für regen Austausch und bessere Vernetzung zwischen den Initiativen des Stadtteils sowie für neue Perspektiven vom Brückengeländer auf die Elbbrücken und die Elbe.
Unter anderem waren mit Infoständen vertreten: Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte, Netzwerk HafenCity e.V. und NaJe e.V.